Die ukrainische postsowjetische Historiographie im internationalen und nationalen Kontext: Kommentar zum Beitrag von Irina Savel’eva

Die von Irina Savel’eva vorgelegte Analyse zum Wissenschaftstransfer und die zugrunde­ liegenden empirischen Daten über die verschiedenen Formen der Präsenz der russischen Historiographie im „weltweiten“ Maßstab sind ein überaus interessanter Anlass zu einer vergleichenden Betrachtung. Nachstehend werde ich mich auf die ukrainische postsowjetische Historiographie konzentrieren. Einleitend soll die „weltweite“ Perspektive kurz dis­ kutiert werden. Ich habe dieses Wort bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da wir es oft unreflektiert verwenden und ganz vergessen, dass die „Welt“ (einschließlich der wissenschaftlichen) sich nicht auf die englischsprachigen Publikationen beschränkt, die in den Zeitschriften des Web of Science, auch als Philadelphia-Liste bekannt, oder in einem anderen Zitationsindex erfasst werden.

Der Begriff „westliche Wissenschaft“, der im russischen oder ukrainischen wissenschaftlichen Diskurs häufig verwendet wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung auch eher als generalisierendes Etikett denn als adäquate Beschreibung der facettenreichen wissenschaftlichen Praxis in den Ländern Westeuropas. Schlussendlich schaffen Gespräche über die „Welt-“Wissenschaft oft die Illusion einer internationalen Gleichheit der Wissenschaftler aller Länder, obwohl sich die konkreten sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen der Wissensproduktion grundlegend unterscheiden. Daher erfordert die Frage, „worin der Beitrag einer nationalen Wissenschaft zum weltweiten Mainstream bestehen kann“, eine sensible Kontextualisierung der Historiographie und ihrer Situation in den einzelnen Ländern.

 

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